Erbsen-Estragon-Suppe

6. Juli 2015 § 12 Kommentare

erbsen-estragon-suppe

Ich liebe Erbsen. Und Estragon liebe ich auch. Die Erbsen-Estragon-Suppe aus Tanja Grandits Buch „Kräuter“*, die musste also probiert werden.

Erbsen-Estragon-Orgie wäre auch eine schöne Bezeichnung. Es gibt da einen beliebten deutschen Fernsehkoch, der hätte diese Suppe garantiert so genannt ;-) . Im Ernst, der Estragon ist wirklich der Leitfaden im Rezept: Er kommt in die Suppenbasis, er kommt in den Pecorino-Flan, es gibt ein Estragon-Öl und frittierte Estragon-Blättchen als Finish. Genau das richtig für ein Fan wie mich.

Die Suppe benötigt ein wenig Vorlauf – das Estragon-Öl muss am Vortag angesetzt werden. Ein paar Komponenten hat das Gericht auch – aber die kann man in Ruhe nacheinander abarbeiten und sich hinterher über ein feines, aromatisches Süppchen freuen.

Die Suppe reicht für 6 Personen. Sie ist eine schöne Vorspeise; wir haben sie mit Zitronen-Brötchen als leichtes Abendessen gegessen.

Erst mal zum Öl. Das ergibt eine größere Menge, als Ihr für die Suppe braucht. Aber so ein aromatisches Öl ist ja immer ein gern gesehener Küchenhelfer. Das Ganze ist ein Basis-Rezept. Statt Estragon könnt Ihr also auch andere Kräuter nehmen.

• 200 gr. Estragonblätter
• 120 ml Olivenöl
• 120 ml Sonnenblumenöl
Die Blätter blanchieren, mit kaltem Wasser gründlich abschrecken und dann die Feuchtigkeit mit einem Geschirrtuch gründlich ausdrücken.
Beide Öle auf 60°C erhitzen, dann die Blätter hineingeben und alles 5 min lang mixen. Das Öl einige Stunden, am besten über Nacht, ziehen lassen und dann durch einen Kaffeefilter ablaufen lassen.

So, jetzt zur Suppe:
Für die Suppe:
• 3 Frühlingszwiebeln
• 1 EL Öl
• 800 ml Gemüsebrühe
• 400 ml Sahne
• Salz, Pfeffer aus der Mühle
• 500 gr. Erbsen (ich hatte TK)
• 1 Bund Estragon
• Nochmal 500 gr. Erbsen für die Einlage
Für den Flan:
• 110 ml Sahne
• ½ Bund Estragon
• 1 Prise Salz
• 30 gr. Pecorino
• 1 Ei
• Olivenöl für die Förmchen
Für die Zuckerschotenchips:
• 1 Handvoll Zuckerschoten
Zum Fertigstellen:
• 5 EL Estragonöl
• Eine Handvoll Estragonblättchen

Wir fangen mit den Zuckerschoten-Chips an: dafür die Zuckerschoten in Salzwasser kurz blanchieren. Dann in Eiswasser abschrecken und gründlich trockentupfen. Die Enden wegschneiden, die Zuckerschoten quer so halbieren, dass man zwei hauchdünne Hälften bekommt. Die Hälften legt man auf ein mit Backpapier belegtes Blech und läßt sie 60 min im auf 90°C vorgeheizten Ofen trocknen.
Jetzt zum Flan: Dafür den Ofen auf 190°C Estragon mitsamt den Stielen grob schneiden. Den Pecorino reiben. Sahne mit Salz und Estragon aufkochen und mit dem Pürierstab aufmixen. Alles durch ein feines Sieb passieren, dann Ei und Pecorino einrühren. 6 kleine Silikonförmchen (ich habe Muffinsförmchen genommen) mit dem Öl einpinseln und jeweils 2 EL der Masse hineingeben. Die Förmchen in eine Auflaufform geben, so viel heißes Wasser angießen, dass die Förmchen halb im Wasser stehen und alles ca. 12 min im heißen Ofen stocken lassen. Dann vorsichtig herausholen; dazu am besten erst mal den Rand mit einem kleinen Messer ablösen.
Für die Suppe die Frühlingszwiebeln waschen und in feine Röllchen schneiden. Frühlingszwiebeln in Öl andünsten, dann Gemüsebrühe und Sahne angießen und alles 3 min kochen lassen. Erbsen zugeben, alles 5 min weiterkochen lassen. Estragon zupfen und die Blätter fein schneiden, dann auch in die Suppe geben. Die Suppe aufmixen, dann durch ein feines Sieb passieren. Normalerweise bin ich etwas träge, was das Abpassieren von Suppen angeht, aber hier muss es sein.
Die restlichen Erbsen in kochendem Salzwasser kurz blanchieren, dann abgießen und in der Suppe nochmals erwärmen.
Für die Garnitur die restlichen Estragon-Blätter zupfen und in heißem Öl kurz frittieren. Dann auf Küchenpapier abtropfen lassen.
Zum Anrichten in jeden Suppenteller einen Flan geben. Dann die Suppe angießen. Zuckerschotenchips, frittierten

Kochbuch-Rezension: Kräuter * Tanja Grandits

5. Juli 2015 § 14 Kommentare

9783038008057

Die meisten Kochbücher, auf die ich hier so treffe sind gut. Gut in dem Sinne, dass es vernünftig strukturierte Rezepte gibt und die eine oder andere neue Idee. Und dann gibt es die Highligts, in denen man immer wieder blättert – und jedes Mal wieder mit leuchtenden Augen.  Das Gewürzbuch von Tanja Grandits zählt für mich zu diesen Büchern  – und entsprechend groß war die Vorfreude auf ein Buch von ihr, dass sich mit Kräutern befasst.

Muss ich noch etwas sagen zu Tanja Grandits? Nun, sie kocht im Restaurant “Stucki” in Basel – immerhin dekoriert mit 2 Sternen. Bekannt ist sie für ihren virtuosen Umgang mit Aromen und Konsistenzen.  Und das kann man mit dem neuen Buch auch zuhause gut nachvollziehen.

Auf den ersten Blick – das Buch ist schön. Das Layout ist freundlich und übersichtlich. Es gibt ganzseitige Fotos von den Gerichten; die Bilder konzentrieren sich ohne jeglichen Schnickschnack auf das Essen. So mag ich das. Die vorherrschende Farbe ist logischerweise Grün, wobei ich sagen muss – so knallig grün wie auf den Fotos waren bei mir die meisten Gerichte dann doch nicht.  Einziges Manko: Das Buch kommt mit einer schicken Bauchbinde daher, die den Einsatz in der Küche eher nicht überlebt….jedenfalls bei mir.

Inhaltlich fängt das Buch an mit einigen kurzen Hinweisen zur Verwendung von Kräutern in der Küche an: Ernten, Säubern, Aufbewahren, Verarbeiten – die Basics werden vorgestellt. Dann geht es an die Kräuter-Portraits. Geordnet nach den Geschmacksrichtungen mild, süß, zitrusartig, anisartig, bitter und würzig werden ca. 40 Kräuter vorgestellt. Von jedem Kraut gibt es ein Foto – damit man weiß, wonach man suchen muss :-) . Ich fand diese Einführung sehr interessant und habe  einige Unbekannte kennengelernt: Blattpfeffer und römischer Ampfer waren mir neu; außerdem fand ich es interessant, dass vo einigen Kräuter viele verschiedene Arten vorgestellt werden. Oder kanntet Ihr panachierte Bergminze und marokkanische Nadelminze?

Dann geht es an die Rezepte. Die sind ganz klassisch unterteilt in Aperitif, Salat, Suppe, Fisch, Fleisch, Vegetarisches, Dessert, Gebäck und Getränke. Und – ganz wichtig: das Kapitel mit den Basis-Rezepten. Mein Exemplar ist immer noch gut gespickt mit kleinen Merkzetteln: ich muss auf jeden Fall die Pistazien-Pesto-Cantuccini machen, den Röstkartoffel-Rucola-Salat mit Cashewpesto oder das Crevetten Dim Sun im Pfefferblattdampf mit Miso-Salsa. Außerdem warten viele Grundrezepte darauf, ausprobiert zu werden: der Rosmarin-Zitronenessig zum Beispiel. Oder der Estragonhonig.

 Aber natürlich habe ich schon ein bisschen was ausprobiert:

joghurt-thymian-cake

Ich habe mit dem Joghurt-Thymian-Cake angefangen. Das ist im Grunde ein einfacher Rührkuchen. In den Teig kommt gehackter Thymian – und der harmoniert vorzüglich mit Limettenabrieb und Vanille. Schön saftig ist der Kuchen auch. Die im Rezept angegebene Backzeit allerdings ist eher dem Reich der Märchen zuzuordnen: 25 Minuten steht da. Mein Kuchen war mehr als eine Stunde im Rohr, bevor er fertig war. Beim Abkühlen ist er etwas zusammengesunken und innen leicht klitschig geworden – aber das ist der von Frau Grandits auf dem Foto auch….

erbsen-estragon-suppe

Das Suppenkapitel hat mich fasziniert. Die Erbsen-Estragon-Suppe habe ich ausprobiert – und sie war überaus erfreulich: eine gemixte Erbsensuppe mit Estragon als Basis, eine Einlage von kurz blanchierten Erbsen, ein Estragon-Pecorino-Flan als weitere Einlage und für den letzten Schliff Estragon-Öl, frittierte Estragon-Blättchen und Zuckerschoten-Chips.

knäckebrot mit dill
Es gibt ein Rezept für Knäckebrot mit Dill. Das Rezept ist sehr einfach….ich war etwas misstrauisch, denn der Teig war sehr flüssig. Auf das Blech streichen, wie es im Buch steht, konnte man den kaum. Man musste ihn eher einfangen, damit er nicht davonfließt. Aber es wurde Knäckebrot – und zwar ein sehr knuspriges, aromatisches.

ingwer-rosmarin-tee
Das Getränke-Kapitel gibt auch einiges für mich her. Ich bin ja Teetrinkerin und Ingwer mag ich sehr. Der Ingwer-Rosmarin-Tee ist wunderbar. Seit ich ihn das erste Mal ausprobiert habe, trinke ich ihn fast jeden Tag.

rucola-mokka-risotto mit bergkäse-crunch
Das Rucola-Mokka-Risotto mit Bergkäse-Crunch hat uns begeistert – ein einfaches Riotto, verfeinert mit Rucola-Pistazien-Pesto, dazu Bergkäse-Chips mit Kaffee und frittierter Rucola. Da bleibt weder bei den Aromen noch bei den Texturen etwas zu wünschen übrig.

rosmarinquiche mit frühlingszwiebeln und feta

Ich mag Quiches…..sehr. Irgendwie bilde ich mir aber eine Mürbteigschwäche ein und mache sie daher eher selten. Für die Rosmarinquiche mit Frühlingszwiebeln und Schafskäse habe ich meine Bedenken glücklicherweise mal kurz ins dunkle Kämmerlein verbannt. Bei der Tarte wird nicht an Rosmarin gespart – er kommt in Teig und Füllung und zusammen mit Feta und Lauchzwiebeln macht das richtig Spaß.

Die Rezepte sind übersichtlich aufgebaut und funktionieren gut. Viele Gerichte bestehen aus einer gewissen Anzahl von Komponenten. Die kann man aber entweder gut vorbereiten oder in aller Ruhe nacheinander abarbeiten. Abgerundet wird das Buch durch ein Rezepte-Register. Da finde ich es ein wenig schade, dass es nicht auch ein nach Zutaten geordnetes Register gibt, denn so muss ich recht lange suchen, wenn ich wissen möchte, was ich zu Beispiel mit dem Liebstöckel anfangen könnte, der mir gerade über den Kopf wächst.

Fazit? Ich liebe dieses Buch! Es strotzt nur so vor herrlichen Rezepten  und Anregungen, was man mit Kräutern so alles tun kann. So manches Kraut, das ich noch nicht kannte, wird in Zukunft sicherlich mehr Beachtung finden. Etwas Kocherfahrung sollte man aber mitbringen, denn für manches Rezept müssen ein paar Komponenten zusammengestellt werden.

  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • Verlag: AT Verlag; Auflage: 1. Aufl. (23. Februar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3038008057
  • 39,90

Schatzsuche im Vorratsschrank – Zusammenfassung von Runde 4

3. Juli 2015 § 17 Kommentare

Schatzsuche im Vorratsschrank - Dauerevent

Es ist ein Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Nun ist es schon wieder soweit – Runde 4 ist auch um. Und was mich wirklich begeistert, ist mit welchem Eifer Ihr immer noch in Schränken, Vorratskammern und Tiefkühlen wühlt, vergessene Lebensmittel aufspürt und was tolles daraus kocht. Ich freue mich immer noch über jeden einzelnen Beitrag – vielen Dank an alle für’s Mitmachen!

libanesische linsensuppe

Frau Küchenlatein hatte schneller einen neuen Beitrag parat als ich die Zusammenfassung für die vorhergehende Runde: die roten Linsen waren ein klein wenig über dem Ablaufdatum. Abhilfe schaffte eine Linsensuppe aus dem Libanon mit Kreuzkümmel.

kuerbis-kichererbsen-curry

Bei Paprika meets Kardamom hat man festgestellt, dass sich Kürbis ganz schön lange hält – sie hat welchen aus dem letzten Herbst verarbeitet. Ein Kürbis-Kichererbsen-Curry wurde daraus. Und die Currypaste aus dem Glas kam auch gleich noch weg :-)

comp_cr_img_4291_spaghetti_tomatenthunfischsauce

Es gibt so Sachen, die hat man einfach da. Dosentomaten zum Beispiel. Wenn man dann auch Thunfosch übrig hat, so wie Cahama, dann steht den Spaghetti mit Tomaten-Thunfisch-Sauce fast nichts mehr im Weg.

algensalat

Vielleicht mag es dem einen oder anderen merkwürdig vorkommen, dass da Seetang im Vorratsschrank wohnt. Mir nicht – ich esse gerne Algen und kaufe vor lauter Begeisterung gerne mal mehr als ich essen kann. Da kommt mir Bushcooks Idee für einen Algensalat gerade recht. Wobei man noch erwähnen sollte – dazu gibt es Entrcôte und Wasabi-Mayonnaise.

hummus1

Kichererbsen! Habt Ihr alle da, oder? Und womöglich geht es Euch so wie Julia von German Abendbrot, dass die wegmüssen, damit Platz für neue Vorräte ist. Wie gut, dass es Hummus gibt, zum Sippen, Tunken….für mich gerne auch auf’s Brot. An Julias Version gefällt mir besonders, dass sie mit Sumach würzt.

marmonierter bananen-schokokuchen

Habt Ihr eigentlich auch dieses Bananen-Problem? Kauft man mal keine, schreien alle Familienmitglieder nach Bananen. Liegen sie aber im Obstkorb, isst sie keiner. Und wenn sie dann braun sind, dann mag sie erst recht niemand mehr. Da gibt es nur eins – Kuchen backen, so wie Frau Küchenlatein es tut.  In einem feinen marmorierten Bananen-Schokoladenkuchen finden die Bananen dann doch noch den Weg in den Mund.

edamame01

Komplett aus dem Vorrat gekocht sind die Tomoshiraga-Somen mit Edamame von Hamburg kocht.  Da merkt man doch, was ein gut bestückter Vorratsschrank wert ist: man kann ein tolles Essen auf den Tisch stellen, ohne dafür vor die Tür zu müssen.

bananen-schokoladen-kuchen

Hatten wir es nicht eben von Bananen? Es scheint sich um ein allgemeines Problem zu handeln. Allerdings waren bei Rike nicht nur Bananen übrig – auch die Schokoosterhasen mussten endlich mal weg. Zeit für einen weiteren Bananen-Schokoladenkuchen also.

Ein wenig Rhabarber war da bei der Zaunreiterin. Zu wenig, eigentlich um etwas damit anzufangen. Aber zusammen mit einem Apfel-Überraschungsfund reichte  es dann doch für einen feinen Rhabarber-Apfel-Kuchen.

karfiol

Semmelbröselnotstand bei der Giftigen Blonden – keine da. Um solchen Situationen entgegenzuwirken, wurde kräftig eingekauft. Das wiederrum führte zu – Ihr ahnt es – zu vielen Semmelbröseln. was für ein Glück, denn damit kann man dann köstlichen Karfiol mit Butterbröseln machen.

Und zu meiner Schande muss ich gestehn, dass es diesmal von mir keinen Betrag gibt. Nicht, dass die Schränke nichts hergeben würden….aber ein Gericht ist mir schief gegangen. Und dann kam mir die Einarmigkeit dazwischen. Aber in der nächten Runde, die ich hiermit einläute, da bin ich wieder mit von der Partie!

Kaninchen in Senf-Kakao-Creme aus Martinique

1. Juli 2015 § 15 Kommentare

kaninchen in kakao-senfcreme

Die Kombination Senf-Kakao gehört zu denjenigen, die mir ein kulinarisches Fragezeichen auf die Stirn malen. Komisch eigentlich, so viele Rezepte mit schrägen Aromenkompositionen gibt es auch nicht im “Kreolischen Kochbuch“* – aber die musste ich dann auch ausprobieren. Und ich wurde nicht enttäuscht – Senf, Kakao und Kaninchen, das passt. Der Senf etwas scharf, der Kakao etwas bitter, das harmoniert schön mit dem leichten es ist Wildgeschmack des Kaninchens. Das Ganze ist wohl  typisches Fusion Food mit dem Besten aus unterschiedlichen Welten: Kakao wächst in den Tropen, der Senf kommt aus Frankreich.

Noch einen Vorteil hat das Gericht: es ist mit seiner überraschenden Zutaten-Zusammenstellung gästetauglich. Und dabei auch noch sehr simpel in der Herstellung.

Und jetzt zum Kaninchen: ich esse Fleisch. nicht so oft und mit einer gewissen Achtsamkeit, aber ich esse es. Meine Kinder waren nicht so glücklich über das Kaninchen (die sind ja sooooo süß)…..und herzlos, wie ich bin, habe ich ihnen erklärt, dass, wenn sie Fleisch essen, dass es dann keinen Unterschied gibt. Wer Schwein isst, kann auch Kaninchen essen. Beides sind Kreaturen mit einem Recht auf Leben. Wobei…es gibt da etwa….als ich ein Kind war, hatte eine meiner Tanten Kaninchen. Regelmäßig bin ich dahin gepilgert, um die Kleinen zu kraulen, den Stallgeruch zu schnuppern und und den Fellbündeln ein paar Karotten zwischen die Nagezähne zu schieben. Im Leben wäre ich damals nicht auf die Idee gekommen, dass die Fellbündel zum Verzehr bestimmt waren. (Lag vielleicht auch daran, dass diese Tante berühmt war für ihren Geiz ihre Sparsamkeit (Kaffee aufwärmen und Heizung aus im Winter und so…) und uns nie was abgegeben hat.

Jetzt aber zum Rezept, das reicht für 4:

  • 1 Kanichen, in Teilen (laut Rezept 4 Keulen)
  • 2 EL Olivenöl
  • 2 EL Dijon-Senf
  • 2 EL Kakao-Pulver, ungesüßt
  • 2 EL Sahne
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • 2 Schalotten
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 500 ml Hühnerbrühe
  • 2 Lorbeerblätter
  • 2 Stengel Estragon

Senf mit Kakao und Sahne glattrühren (am Besten mit dem Schneebesen) und beiseite stellen. Schalotten und Knoblauch schälen und fein hacken.

Das Öl in einem großen Topf erhitzen. Kaninchenteile (oder Keulen…) von allen Seiten anbraten, dabei mit Salz und Pfeffer würzen.

Schalotten und Knoblauch zugeben, kurz durchrühren, dann Hühnerbrühe, Lorbeerblätter und die Senf-Kakao-Mischung zugeben. Aufkochen lassen, dann die Hitze reduzieren und alles ca. 40 min schmurgeln lassen. Ab und zu umrühren, damit sich nichts am Topfboden anlegt.

Inwischen Estragon-Blättchen zupfen und hacken.

Vor dem Servieren alles mit Salz und Pfeffer abschmecken und den Estragon unterrühren. Dazu passt gekochter Basmati-Reis.

Traditioneller karibischer Eintopf – Calalou

29. Juni 2015 § 19 Kommentare

calalou

Bei diesem Eintopf aus dem “Kreolischen Kochbuch“* hat mich die Zusammenstellung der interessiert: Spinat, Speck und Kokosmilch, das sind die Hauptzutaten. Speck und Kokosmilch? Das konnte ich mir nicht recht vorstellen, das musste ich ausprobieren.

Und was soll ich sagen – es passt. Das Gericht heißt “Eintopf”, aber es ist ein Mittelding zwischen Eintopf und dicker Suppe, denn das Ganze wird püriert.

Im Buch wird das nicht erwähnt – aber eigentkich heißt dieser Eintopf, den westafrikanische Sklaven mit in die Karibik gebracht haben nach seiner Hauptzutat: Calalou ist grünes Blattgemüse, da wird in der Regel das verwendet, was in der Region wächst. Interessant fand ich auch, dass zum Beispiel auf Trinidad “Calalou” als Metapher verwendet wird für eine wilde Mischung – von Zutaten beim Essen, aber auch für die Vielfalt an Rassen auf der Insel: Trinidad ist die “Calalou Nation”.

Für ca. 6 Portionen:

  • 400 gr. Spinat
  • 2 EL Butter
  • 1 Zwiebel
  • 1 Bundfrühlingszwiebeln
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 250 gr. durchwachsener Speck
  • 3 Stengel Thymian
  • einige Stängel glatte Petersilie
  • 500 ml Hühnerbrühe
  • 200 ml Kokosmilch
  • 4 cm Ingwer
  • 1 EL Limettensaft
  • 1 EL Orangensaft
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • 1 kleine rote Chilischote

Spinat waschen, dann in kochendem Wasser kurz blanchieren, bis er zusammenfällt. Kalt, abbrausen, alle Flüssigkeit gründlich herauspressen, kleinhacken und beiseite stellen.

Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken. Die Frühlingszwiebeln in Weißes und Grünes trennen, beides hacken. Speck von der Schwarte befreien  und grob würfeln. Petersilienblättchen abzupfen und hacken. Ingwer schälen und fein würfeln.

Butter in einem Topf schmelzen. Zwiebel und die weißen Teile der Frühlingszwiebeln glasig andünsten, dann Knoblauch unter Rühren kurz mitbraten. Speck dazugeben und weiterbraten.

Dann den Spinat mit in den Topf geben. Unter Rühren bei Mittelhitze einmal aufkochen lassen. Nun die grünen Teile der Frühlingszwiebeln, Thymian, Petersilie sowie Hühnerbrühe, Kokosmilch, Limetten und Orangensaft mit in den Topf geben und alles halb zugedeckt ein paar Minuten köcheln lassen.

Inzwischen die Chilischote fein hacken.

Die Thymianstengel entfernen. Chili zum Eintopf geben, alles pürieren und dann servieren.

Kochbuch-Rezension: Das kreolische Kochbuch * Birgit Weidt

27. Juni 2015 § 6 Kommentare

u1_kreolische-kochbuch_cmyk

Kreolische Küche – das war absolutes Neuland für mich. Entsprechend neugierig war ich auf ein Kochbuch, das sich dieser Küche widmet. Irgendwas mit Kokos und Kochbananen, dachte. Nun, sagen wir mal so….Kokos und Kochbananen gibt es auch. Aber nun habe ich gelernt, dass die kreolische Küche ein interessanter melting pot mit französischen, indischen und chinesischen Einflüssen ist.

Geschrieben hat das Buch Birgit Weidt. Sie ist nicht nur Reisejournalistin, sondern auch eine leidenschaftliche Köchin. Ihre besondere Liebe gilt den Inseln La Réunion, Guadeloupe und Martinique. Und genau mit der Küche dieser Inseln befasst sich auch dieses Buch.

Das Buch ist hübsch anzusehen: das Layout ist fröhlich und übersichtlich. Es gibt viele Foodfotos von Ariane und Kornelia Bille und Reisebilder von Birgit Weidt. Wer allerdings von jedem Gericht eine exakte Abbildung braucht, der wird nicht fündig werden. Mir persönlich gefallen die Fotos sehr gut, denn sie erzählen Geschichten und nehmen uns mit auf die Inseln. Reisefieber inklusive. Was mir nicht so gut gefällt ist, dass das Buch nicht ohne weiteres aufgeschlagen liegen bleibt; das ist in der Küche dann doch etwas unpraktisch.

Jetzt zu den Rezepten: die sind im großen und ganzen nach der Speisefolge geordnet: wir finden Vorspeisen, Begleitgerichte, Fleisch, Fisch, Desserts und ein Kapitel mit Drinks. Es locken so unterschiedliche Gerichte wie Thunfisch-Samosas, Chinesischer Salat, Honighühnchen mit Limette, Dorade mit Vanille, Süßkartoffelkuchen  oder Passionsfrucht-Shake. Die Rezepte sind übersichtlich gegliedert und gut beschrieben.

Was das Buch etwas Besonderem macht, sind aber die Geschichten, die darin erzählt werden: Birgit Weidt stellt uns in einem kurzen Vorwort zunächst die drei Inseln vor. Im Buch verteilt findet man dann immer wieder Geschichten: zur Kultur des Picknicks, zu Vanille, Meersalz und Kurkuma und anderem. Dabei werden nicht nur die Produkte oder Traditionen vorgestellt, sondern immer auch die Menschen, die dahinterstehen. Es macht große Freude, das zu lesen. Und man hat gleich das Gefühl, sich ein bisschen auszukennen auf Guadeloupe, La Reunion und Martinique.

kokosbonbons

Was Süßes zum Beginn: Kokosbonbons, gekocht aus Kokosraspeln, Milch, Zucker und Vanille. Eine herrliche Süßigkeit. Ich würde es allerdings eher aus Konfekt bezeichnen. Mit dem Löffel Kugeln abstechen wie im Rezept beschrieben konnte ich nicht; habe mit den Händen Kugeln gerollt, sonst hätte die Masse nicht zusammengehalten. Dem Geschmack tat das aber keinen Abbruch.

calalou

Calalou ist ein traditioneller Eintopf aus Martinique. Die Kombination aus Spinat, Speck und Kokosmilch klingt erst mal recht wild – schmeckt aber.

ingwersirup

Ich liebe Ingwer – wenn also von Ingwersirup die Rede ist, dann muss ich das ausprobieren. Der Sirup bekommt durch Vanille eine besonders schöne Note. Und meine Selbstversuche haben ergeben, dass Ingwersirup sich nicht nur zu einem Erfrischungsgetränk aufspritzen lässt, sondern sich auch in schwarzem Tee hervorragend macht.

hühnchen-curry

Das Cari poulet ist Hühnchencurry: für die Würzung werden Pfeffer, Knoblauch und Ingwer zu einer Paste gemörsert, Zwiebeln und Tomaten kommen auch noch ins Spiel. Ein eher einfaches Curry, das uns gut geschmeckt hat. Zum Curry gab es die klassische Beilage: rote Linsen, mit Ingwer, Kurkuma und Kreuzkümmel gegart.

kantonesischer reis

Der kantonesische Reis wird zubereitet wie ein Pilaw: Zwiebel und Knoblauch angebraten, Reis mitgeröstet, Wasser aufgegossen und Reis gegart. Gegen Ende der Garzeit kommen die restlichen Zutaten wie Garnelen, Schinken Erbsen und Kräuter dazu. Einfach und dank reichlich Petersilie und Frühlingsszwiebeln auch schön frisch.

kaninchen in kakao-senfcreme

Wie klingt Kaninchen in Kakao-Senf-Creme? Für mich jedenfalls so, dass ich es ausprobieren musste, denn so recht vorstellen konnte ich es mir nicht. Das Kaninchen wird mit Zwiebel und Knoblauch angebraten, danach mit Hühnerbrühe aufgegegossen. Dazu kommt eine Mischung aus Dijon-Senf, Kakao und Sahne. Ergebnis? Eine wirklich schöne Sauce; der Kakao steuert eine gewisse Herbheit bei, die gut zum Kaninchen passt.

Fazit? Ich hatte große Freude an dem Buch und werde auch weiterhin noch viel Spaß haben. Die alltagstauglichen, gut erklärten Rezepte führen in eine Länderküche ein, die mir bislang fremd war. Zudem gefallen mir die schönen Reisebilder und interssanten Geschichten rund um Menschen und Produkte. Alles in allem: eine gelungene Einführung in die kreolische Küche.

Schwiegermutter-Köfte

25. Juni 2015 § 19 Kommentare

icli-köfte

Içli Köfte heißen die eigentlich, mit Kringel unter dem c. Es sind gefüllte Köfte – in der Bulgurmasse versteckt sich eine Kartoffel-Hackfleisch-Füllung. Schwiegermutter-Köfte ist aber auch nett, dazu gibt es nämlich eine Geschichte :-) . Das ganze ist ein Gericht, das traditionell bei Hochzeiten gegessen wird. Die Köfte macht die Schwiegermutter der Braut. Während sie die ausgehöhlten, gefüllten Bällchen wieder verschließt wünscht sie sich, dass der Mund der Schwiegertochter genau so gut verschlossen sein soll wie die Köfte. Nun ja, es scheint, das Schwiegermütter in jedem Kulturkreis gerne mal schlecht wegkommen.

Bei mir haben die Içli Köfte auch eine Geschichte: ich hatte nämlich eine riesige Tüte feinen Bulgur für Köfte im Küchenschrank lagern. Gekauft hatte ich ihn für diese Rezension. Die Bulgurklösschen, die ich daraus zubereitet habe, waren ein komplettes Desaster – Bulgursuppe. Und so stand die Tüte im Schrank und ich konnte mich nicht so recht motivieren, irgenwelchen Bulgurklösschen eine zweite Chance zu geben.

taste_of_turkey_2Dann kamen Melanie und Sibel mit ihrem Event zur türkischen Küche – und was wünschen sie sich diesen Monat? Köfte! Zeit, allen Mut zusammenzunehmen und dem Bulgur an den Kragen zu gehen.

Und diesmal gab es erfreulicherweise keine Bulgursuppe, sondern tatsächlich Köfte. Das ist bestimmt einerseits dem Umstand zu verdanken, dass laut Rezept* diesmal ein Ei an die Bulgurmasse kommt. Aber ich hatte auch ein wenig Hilfe: Semiha, die weiß wovon sie redet, hat mir erklärt, dass die Bulgurmasse sehr, sehr gründlich geknetet werden muss, damit sie zusammenhält.  Das hat funktioniert.

Die Köfte machen etwas Arbeit, aber die lohnt sich auch. Außerdem lohnt es sich auch, gleich das ganze Rezept zuzubereiten, denn die  Bällchen schmecken auch kalt. Sie machen sich gut auf Buffets und in Brotzeitboxen – und einfrieren kann man sie auch.

Für 6 Personen:

Für die Füllung:

  • 500 gr. Kartoffeln
  • 1 Zwiebel
  • 200 gr. Rinderhack
  • etwas Pflanzenöl (original 100 ml, das war mir zu viel)
  • 1 EL Paprikamark
  • 1 TL Salz
  • 1/2 TL Paprikapulver
  • Pfeffer aus der Mühle

Für den Teig:

  • 500 gr. feiner Bulgur
  • 100 gr Gries (ich hatte Dinkelgries)
  • 500 ml kaltes Wasser (original nur 200 ml…..das funktioniert nicht….)
  • 1 Ei
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1 TL Salz

Zum Fertigstellen:

  • 50 gr Butter

Für die Füllung die Kartoffeln waschen, kochen, schälen und dann mit einer Gabel fein zerdrücken. Zwiebel schälen und fein hacken. Hackfleisch in einer Pfanne ohne Fett braten, bis alle Flüssigkeit verdampft ist. Etwa Öl zugeben, dann die Zwiebel und unter Rühren weiterbraten, bis die Zwiebel glasig ist. Die Kartoffelmasse unterrühren, alles mit Salz, Pfeffer und Paprika kräftig abschmecken und beiseite stellen.

Für die Hülle den Bulgur und den Gries mit 1 TL Salz in eine große Schüssel geben, das Wasser dazu gießen, kurz umrühren und alles 20 min quellen lassen. Dann Ei, Tomatenmark und Mehl zugeben und alles sehr gründlich durchkneten.

Zum Formen vom Teig je ein ca. walnussgroßes Stück abnehmen. In den Handflächen zu einer Kugel rollen, dann mit dem Zeigefinger eine tiefe Mulde hineindrücken und mit einem kleinen Löffel etwas von der Füllung hineingeben. Die Öffnung wieder gut verschließen, indem man den Teig zwischen den Handflächen rollt. So weitermachen, bis Teig und Füllung aufgebraucht sind.

In einem großen Topf reichlich Salzwasser zum Kochen bringen.  Die Bällchen, wenn nötig portionsweise 10 min bei milder Hitze kochen lassen. Dann mit einer Schaumkelle aus dem Wasser nehmen und gut abtropfen lassen.

Die Butter in einer kleinen Pfanne schmelzen und die Köfte vor dem Servieren kurz darin eintunken.

Dazu passen Salat und ein Joghurt-Dipp.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 356 Followern an